:: Chronik
:: Urkunde von 1144
:: Dorfbrand 1822
:: Alte Schulfahne
 
 
 
 


  Der große Dorfbrand von 1822

Eine Naundorfer Geschichte, niedergeschrieben 1924 von Adolf Schruth.

"Der Feuerreiter zu Naundorf

An einem Hochsommertage (20.7.) des Jahres 1822 brach in Naundorf in einem Gehöft¹, auf der Kleinen Seite ein gefährliches Feuer aus. Die Bauern hatten schon den größten Teil ihrer Ernte in die Scheunen gebracht und waren seit dem Morgen daran, auch noch den liest des Getreides einzufahren. Deshalb waren wenige Menschen, die hätten helfen können, im Dorfe zu Hause.

Im Nu stand das ganze Gehöft im Feuer und das brennende Dachstroh trug den Brand von Hof zu Hof. Ein starker Westwind wehte im Tale und trieb die Flammen über den Dorfteich auf die große Seite und bald war das ganze Dorf ein einziges Feuermeer.

Ans Löschen konnte niemand mehr denken, jeder war bemüht das Vieh aus den Ställen, die auch bald lichterloh brannten, heraus auf die Dorfbeete zu treiben und soviel als möglich von seinen Habseligkeiten zu retten.

Das Prasseln des Feuers, das Schreien der Menschen und das Blöken und Brüllen des erschreckten Viehes gab einen furchtbaren Lärm, in den noch hinein vom Kötzschenbrodaer Kirchturm die Klänge der stürmischen Glocke sich mischten. Haus für Haus stürzte zusammen und bald war das Dorf ein einziger glühender lodernder Trümmerhaufen, den die vom Winde immer weiter gejagten Flammen immer mehr und mehr vergrößerten

Da kam plötzlich, als die Verwirrung und die Not am schlimmsten war, von der Viehtriebe² her ein unbekannter Reiter auf einem pechschwarzen Pferde herangejagt und hielt bei dem letzten von Flammen erfassten Hofe sein triefendes Ross an, murmelte einige seltsame Worte, sprengte dann weiter durch das Dorf nach dem Rietscheweg³ und verschwand dann, niemand wusste wohin.

Hinter ihm her aber .jagten die Flammen bis zum letzten Hause und erloschen dann plötzlich.
Die Hauern erzählten aber ihren Kindern, dass der geheimnisvolle Feuerreiter der Dresdner Scharfrichter gewesen sei, der die Flammen gebannt, hatte, dass sie erlöschen mussten.

Die Vorstehende Sage, wohl die jüngste der Lößnitz und zugleich die interessanteste lebt noch heute bei den alten Leuten des Ortes fort und ich verdanke dieselbe der mündlichen Mitteilung einer alten Naundorferin.

Die sagenhafte Gestalt des Feuerreiters, die mir aus keiner Sage der Umgehung bekannt ist, und von des auch Größe in seinem Sagenschatz nichts erwähnt, ist eine uralte Überlieferung des Volkes, die im fernen Mittelalter wurzelt. Bald wurden die Feuerreiter geschildert als ein geheimnisvoller Reiter, der ein ausbrechendes Feuer vornweg spürte und dessen Erscheinen in einem Dorfe einen bald entstehenden Brand ankündigte.
Bald war er mit der geheimnisvollen Fähigkeit, begabt, die lodernden Gluten durch einen Feuerbann zum Erlöschen zu zwingen, wie ihn die Naundorf er schilderten."

Quellennachweis:

Stadtarchiv Radebeul, "General-Anzeiger-Kötzschenbroda", "Die Elbaue", 1924